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Reisende Reporter 2014 - Station 1: Region Süd | Job-Integrationsprogramm 50plus

Man muss sich auf alles einstellen können, sich einbringen wollen.

Peter Saborowski ist Pragmatiker durch und durch. Auf die Frage, warum das so sei, gerät er ins Grübeln. Möglicherweise weil er früh lernen musste sich in einer fremden Umgebung zurecht zu finden und das Beste daraus zu machen. Auch in seinem jetzigen Job muss er jeden Tag auf eine neue Herausforderung gefasst sein.

Seit zwei Jahren ist er bei der Dienstleistungsfirma „Alles fürs Haus“ in Mannheim fest angestellt. Dort fühlt er sich sehr wohl. Er habe sowieso schon immer alles gemacht, sagt er scherzhaft., deshalb kommt er auch jetzt so gut klar. Rasen mähen, Hecken schneiden, Heizungen reparieren, aber auch organisatorische und administrative Arbeiten fallen in seinen Aufgabenbereich: Saborowski ist Hausmeister, Mann für alle Fälle.

Ich weiß nicht ob ich dazu geboren bin, aber ich bin so ein Typ der immer beschäftigt sein muss. Ich kann nicht den ganzen Tag zuhause rumhängen. Das geht mir tierisch auf den Geist, sagt Peter Saborowski und schmunzelt.

Seine Vielseitigkeit kommt nicht von Ungefähr. Mit acht Jahren siedelte er gemeinsam mit seinen Eltern aus dem damaligen Ost-Preußen zunächst ins westfälische Hamm, dann nach Münster über. Es dauerte nicht lange, bis er sich eingelebt hatte - beim Kicken auf der Straße knüpfte er die ersten Kontakte, nebenher lernte er die neue Sprache. Nach der Erstausbildung zum Elektriker schulte er kurze Zeit später zum Tierpfleger um – sein Traumberuf. Vom Tierpfleger über den Revierleiter arbeitete er sich zum Zooinspektor hoch – 25 Jahre verbrachte er im Münsteraner Zoo. Nicht zuletzt Dank seiner Erfahrung genießt er deshalb auch bei seinem neuen Arbeitgeber großes Vertrauen. „Der Chef weiß, dass er sich auf seine Jungs verlassen kann“, wie er sagt. Die ‚Jungs’, so werden er und seine Kollegen auch von den Kunden scherzhaft genannt. Die kleinen Geschichten, Witze und Gespräche mit den Leuten bedeuten ihm viel.

Die Kunden nehmen einen ernst und wir nehmen unsere Arbeit ernst. Das gibt einem irgendwo eine Bestätigung. Peter Saborowski.

 

So abwechslungsreich wie seine Aufgaben als Hausmeister liest sich auch Saborowskis Lebenslauf. In seinem Mannheimer Büro, umgeben von Werkzeug, Besen, Maschinen und dem obligatorischen Schlüsselbrett erzählt er, wie er für seinen Job quer durch die Republik zog. Zuerst hatte ihn der Duisburger Zoo als Zooinspektor abgeworben. „Das fiel mir damals nicht sehr einfach, weil ich ja alle Kollegen sehr gut kannte. Aber der Reiz war da, weil ich praktisch nie was anderes gesehen habe“.

Doch Duisburg wurde nur zum Zwischenstopp. Zwar habe ihm die Arbeit sehr viel Spaß gemacht, nur in der Stadt fühlte er sich nicht wohl. Auf das Angebot eines Kollegen hin wechselte Saborowski also nach Darmstadt, um dort eine befristete Stelle anzutreten. Wieder war nach zwei Jahren Schluss - die Kollegin, als deren Vertretung er eingesprungen war, kehrte aus der Elternzeit zurück. Es folgten zunehmend kürzere Arbeitsverhältnisse. Ein befristetes Jahr im Mannheimer Zoo, ein kurzer Zwischenstopp in Dortmund -das war eine schwierige Zeit.


Sich seiner Lage bewusst, setzte er alles daran auch außerhalb Deutschlands sein Glück zu versuchen: „ Ich war ungebunden, von daher war es mir egal wo ich eine Stelle bekomme. Ich musste zu dem Zeitpunkt ja schon alles annehmen was offen war“. Zwar wussten die meisten Arbeitgeber seine Erfahrung sehr zu schätzen, dafür zahlen wollten sie nicht. Das hängt für ihn nicht zuletzt damit zusammen, dass zunehmend viele Betriebe auf Zeitarbeiter zurückgreifen – Erfahrung ist da zwar gern gesehen, nur kosten darf sie nichts.

Da wird sehr viel finanziert, die Leute wissen es nur nicht, oder sie wollen es nicht wissen, sagt Peter Saborowski

Gemeinsam mit seiner Vermittlerin beim Jobcenter beschloss er also, sich auch für andere Berufsfelder zu öffnen – obgleich das hieß sich vom Beruf des Tierpflegers zu verabschieden. Unterwegs zu einem der Mietshäuser –das Wasser wird abgestellt, die Bewohner müssen informiert werden – erklärt er, dass bei der Vermittlung der eigne Einsatz entscheidet.

Er habe miterlebt wie so mancher im Beschäftigungspakt die Suche frühzeitig aufgegeben und sich zunehmend isoliert hätte. Aus Frustration wurde da schnell Trotz. Dabei würden viele die zahlreichen Angebote der sowohl der Jobcenter als auch der Pakte gar nicht registrieren.

Ob er selbst das Gefühl hatte, bei seinem Beschäftigungspakt gut aufgehoben zu sein? Ja, besonders habe ihm der regelmäßige Austausch mit den Unternehmen gefallen. Mal gab es eine Rundfahrt in der S-Bahn durch Mannheim, oder einen Besuch in der Oper, bei dem es die Gelegenheit gab Arbeitgeber kennenzulernen, erinnert er sich. Wenn man Glück hatte, konnte man seine Vermittlung so selbst in die Hand nehmen. Das sei nicht selbstverständlich. Diese Treffen auf Augenhöhe gaben ihm das Gefühl ernst genommen und auch in seinem Alter noch gebraucht zu werden.

Letztendlich, ist er überzeugt, schaffen die Jobcenter und Pakte aber nur den Rahmen. Was man daraus macht, ist jedem selbst überlassen.