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Reisende Reporter 2014 - Station 2: Region West| BEST AGER - Der Beschäftigungspakt für Ältere im Revier

Glaubwürdigkeit nährt sich aus gleicher Erfahrung und dem Altersfaktor

Dr. Stefan Lob liebt und lebt den Ruhrpott - das Revier, wie es dort heißt. Als gebürtiger Wuppertaler ist er nun seit „einer halben Ewigkeit“ Wahl-Gelsenkirchener. 2003 heuerte er dort bei der GAFÖG Arbeitsförderungsgesellschaft an, zunächst als Prokurist. Mittlerweile ist er Geschäftsführer. Nach erfolgreicher Teilnahme an einer Ausschreibung des Bundesministeriums für Arbeit im Rahmen des Bundesprogramms "Perspektive 50plus", gründete er im Jahre 2005 den ersten lokalen Beschäftigungspakt.

Seit der Gründung des Vermittlungsprojekts arbeitet er, neben seiner Rolle als Geschäftsführer der GAFÖG, als so genannter Paktkoordinator. „Das hat etwas von einem Verwaltungsdirektoren“, beschreibt er seine Funktion mit einem Schmunzeln. Ursprünglich hieß das Projekt ‚Best Ager – Der Beschäftigungspakt für Ältere im Revier’. „Das war zu umständlich, zu langweilig“, sagt er. Kurzerhand wurde also das gesamte Unterfangen in Best Ager – Erfahrung hat Zukunft umgetauft.

Lob ist kein Freund komplizierter und vor allem übermäßig bürokratischer Dinge. Ihn reizt das das unkonventionelle, wie er selbst betont. Seine Abneigung gegenüber der Norm spiegelt sich sowohl im Ansatz des Best-Ager Projektes, aber auch vielem von dem was ihn persönlich antreibt wieder.
Vor allem ist ihm daran gelegen, dass sich Best Ager deutlich abhebt von den gewöhnlichen Prozessen und Vorgehensweisen, die mit der Arbeitsuche und Vermittlung über die Jobcentern verbunden sind. Er möchte seine Herangehensweise aber nicht als Gegenmodell oder gar Konkurrenz zu den Jobcentern verstanden wissen, sondern als Ergänzung.

Unsere Job-Clubs unterscheiden sich sowohl räumlich also auch atmosphärisch von den Jobcentern. Das war das Spannende an dieser Aufgabe, dass man sich bewusst loslösen konnte und musste, von bereits festgetrampelten Pfaden, erklärt Dr. Stefan Lob

So entstanden Foto- und Literaturprojekte, die Projektteilnehmenden organisierten, gemeinsame Ausflüge und Busreisen. Der Leitfaden des Projekts sollte zu jeder Zeit sein, den Menschen eine würdige Vermittlung anzubieten, die ihrem individuellen Erfahrungsniveau entspricht.
Mit seinen Methoden wäre er über die Jahre auf viel Unverständnis und Kopfschütteln gestoßen. Sogar einen Besuch vom Steuerprüfer gab es – ob die vielen Busreisen denn wirklich nötig seien? Doch Lob hält an seinen Methoden fest. 

Stolz erzählt er auch von der Zusammenarbeit mit den lokalen Verkehrsbetrieben, die er nicht nur als Arbeitgeber, sondern auch als Werbeträger gewinnen konnte. Eine ganze Straßenbahn wurde mit einem Best-Ager -Transparent überzogen. Es geht um lokale Identifikation und darum, die Leute in ihrem direkten Lebensumfeld zu erreichen. „Viele die zu uns kommen, kommen nicht mit dem Auto, die fahren Bus oder Bahn“.
Abgesehen vom Umgang mit seinen Kunden, die es zu ‚aktivieren’ gilt, legt er großen Wert auf den direkten Kontakt zu den Unternehmern. Dafür zuständig sind die so genannten Unternehmensscouts. Ihre Aufgabe ist es die „Passgenauigkeit“ zwischen Best-Ager Kunden und Arbeitgebern zu definieren und die Arbeitgeber, im besten Fall langfristig, zu binden. Dass er dabei nicht immer dafür garantieren, oder gar nachvollziehen kann, ob seine Kunden auch auf lange Sicht in den jeweiligen Unternehmen beschäftigt sind, ist ihm bewusst.

Oft sei es unerlässlich auch abseits des Offensichtlichen im Lebenslauf zu suchen, die Leute zu motivieren, ihnen „Besinnung auf sich selbst vermitteln“ – auf Dinge, die den Wiedereinstieg erleichtern sollen. Nicht immer sei eben der kürzeste Weg zurück in die Beschäftigung auch der beste, sagt Dr. Stefan Lob

Mit seinen 60 Jahren ist Lob selbst nur unweit vom Rentenalter entfernt. Trotz Doppelbelastung und langer Tage hat er nach wie vor Spaß an der Sache. Die Generation 50plus, so meint er, habe gewisse ‚Sekundärtugenden’ – Loyalität, Verlässlichkeit, Pünktlichkeit – die er und vor allem die vielen kleinen Unternehmen sehr zu schätzen wissen. In seinem eigenen Betrieb zählt der Bereich Best Ager mittlerweile 58 Mitarbeiter/-innen.

Was mit ihnen passiert wenn die Perspektive 50plus Ende 2015 ausläuft ist ungewiss. Persönlich, so sagt er, wünscht er sich natürlich, dass so viel wie möglich von dem hängen bleibt, wo für er sich in den letzten 10 Jahren eingesetzt hat. Realistisch gesehen befürchtet er jedoch, dass einiges verloren geht – auch für ihn ein Verlust. Das Projekt für alle Beteiligten würdig zu Ende zu bringen, wird dann vielleicht noch mal die letzte große Herausforderung für ihn. „Aber davor bin ich dann auch nicht bange“.