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Reisende Reporter 2014 - Station 3: Region Nord | Oldenburg 50plus.de

Es geht um eine Chance und nicht um eine zusätzliche Maßnahme des Jobcenters

Der Beschäftigungspakt Oldenburg 50plus.de ist ein Projekt mit einem "lernenden Ansatz". Die Idee dahinter ist es etwas auszuprobieren, was in und mit anderen Projekten so bisher noch nicht versucht wurde – das Zusammenführen einer einzigartigen Methode mit dem Regelgeschäft.

Die zwei Hauptprotagonisten: Susanne Dames bringt mit ihrer langjährigen Erfahrung als freiberufliche Beraterin und persönlicher Coach die nötige fachliche Kompetenz mit. Kathrin Kraft kümmert sich um „das große Ganze“. Sie koordiniert die verschiedenen Aktivitäten im Beschäftigungspakt, fungiert an den Schnittstellen zwischen Jobcenter und externen Partnern. Und sie ist eine überzeugte Unterstützerin des Ansatzes ‚The Work’, der in Form des Hilfe-zur-Selbsthilfe-Formats in Oldenburg praktiziert wird.

Die beiden Protagonistinnen: Kathrin Kraft und Susanne Dames

Nachdem Susanne Dames zu Beginn nur stundenweise und auf freiberuflicher Basis im Projekt engagiert war, merkte man schnell, dass ihre Methode nicht nur effektiv war, sondern von den Kunden sehr gut angenommen wurde.

Bei vielen Kunden dauert es eine Zeit, bis sie wirklich hier ankommen, bis erkannt wird, welche Möglichkeiten sich durch dieses Projekt ergeben können. Dass es sich hierbei um eine Chance handelt, nicht um irgendeine Maßnahme, sagt Susanne Dames.

Kontinuierlich baute man daher ihr Engagement im Projekt aus. Mittlerweile ist sie fester Bestandteil des Teams und wie alle anderen als Personalberaterin tätig.

Viele der älteren Langzeitarbeitslosen haben oftmals Probleme, die mit einem Bewerbungstraining oder einem Berufscoaching nicht zu lösen sind. „Schnell habe ich festgestellt“, sagt Susanne Dames „dass die Arbeitslosigkeit häufig eher ein Effekt als die Ursache des eigentlichen Problems ist. Deutlich wird das vor allem, wenn sich jemand nach etwas Anlaufzeit - in vielen Fällen kann es einige Monate dauern bis sich die Menschen öffnen – bewusst wird, dass die Problematik tatsächlich in einem anderen Lebensbereich zu finden ist“.

Die beiden sind sich bewusst, dass sie in einer privilegierten Position sind. Denn die Zeit, die man hier für die Projektteilnehmenden aufbringt, können sich die Kollegen im Jobcenter kaum für jeden Kunden nehmen. Natürlich gibt es auch kritische Stimmen: Ob denn der Erfolg der Methode überhaupt messbar sei, werden die beiden häufig gefragt. Für Susanne Dames ist Erfolg ein relatives Maß. In ihren Augen ist es durchaus ein Erfolg, wenn ihre Kunden nach langen Jahren der Stagnation beginnen, sich zunächst einmal wieder aktiv um ihre Lebensgestaltung zu kümmern. Das bedeutet nicht, dass der oder diejenige in Arbeit kommt. Es bedeutet, dass die Kunden beginnen für sich zu sorgen. Das allein sei ein großer Erfolg.

‚The Work’ ist nicht der einzige Ansatz, der die Arbeit im Oldenburger Projekt von anderen Projekten abgrenzt. Hinzu kommen eine ganze Reihe anderer Methoden, die bei den Beratungs- und Integrationsbemühungen zum Tragen kommen.

Wir versuchen so viel wie möglich von dem abzudecken, was die Menschen so in ihrem Alltag beschäftigt. Dazu gehören dann u.a. Workshops mit verschiedenen thematischen Ausrichtungen wie z.B. Arbeit und Geld, Körper und Gesundheit, oder auch Partnerschaft und Sexualität, erklärt Kathrin Kraft

Die Essenz dieser Vielfältigkeit, das betonen beide immer wieder, ist der ganzheitliche Ansatz. So sind die Mitarbeiter/-innen im Projekt mit einer individuellen Kompetenz ausgestattet. Bei Bedarf kann also schnell auf die einzelnen Fähigkeiten eines jeden zurückgegriffen werden.

Dass die ‚The Work’ nicht das richtige für jedermann ist, das weiß Susanne Dames auch – und das ist auch völlig in Ordnung. „Wenn mein Kunde sagt: Ne lass mal stecken! Dann kann ich das respektieren. Das nenne ich Wertschätzung.“, sagt sie. Das gleiche gilt für die Mitarbeiter/-innen im Projekt. Nicht jeder muss mit der Methode «The Work » vertraut sein, oder sie gar praktizieren. Und egal welche Methode man in der Beratungsarbeit mit seinen Kunden wählt, das wichtigste ist, dass die Mitarbeiter/-innen adäquat geschult sind.

Durch die gute Kooperation mit externen Partnern, trägt der Beschäftigungspakt Oldenburg 50plus.de dafür Sorge, dass dies auch so umgesetzt werden kann. Für die Zukunft wünschen sich beide, dass so viel wie möglich von dem was in Oldenburg 50plus.de praktiziert wird auch an die Kollegen/-innen im Regelgeschäft weitergegeben werden kann, „weil es die Arbeit ungemein erleichtert und die tägliche Routine lebendig und bedürfnisorientiert ausgelegt ist.“