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Reisende Reporter 2014 - Station 4: Region Ost | 50plusPunkte

Auf kurzem Wege zum Erfolg

Ingrid Pietzsch kann die Sorgen ihrer Kunden gut nachvollziehen. Nach vielen Jahren als Angestellte bei einem Bildungsträger war auch sie lange arbeitslos. Seit 2011 ist sie jetzt Vermittlerin im Beschäftigungspakt 50plus Punkte in Bad Liebenwerda. Sie weiß, welche Steine es für eine erfolgreiche Reintegration in den Arbeitsmarkt aus dem Weg zu räumen gilt.

Der erste Schritt für eine erfolgreiche Vermittlung ist, dem Kunden auf Augenhöhe zu begegnen. In ihrer täglichen Arbeit geht es vor allem darum, ein offenes Ohr für die Menschen zu haben. Zusammen mit ihren Kollegen/-innen, die in ihren Büros unmittelbar nebenan immer schnell erreichbar sind, können schnell unkomplizierte Lösungen für die vielen individuellen Probleme der Menschen gefunden werden.

Ingrid Pietzsch, Vermittlerin im Beschäftigungspakt 50plus Punkte in Bad Liebenwerda
Ingrid Pietzsch, Vermittlerin im Beschäftigungspakt 50plus Punkte in Bad Liebenwerda

Sie müssen dem Kunden zuhören; der möchte auch mal was aus seinem Leben loswerden. Und wenn man dann sagt, ich kann sie verstehen, ich selbst war auch mal arbeitslos, dann haben sie eigentlich schon die erste Hürde überstanden. Da ich selbst über 50 Jahre alt bin und vor einer ähnlichen Situation stand, kann ich mich da schon besser einfühlen, weiß Frau Pietzsch

 

Nicht zuletzt aufgrund der Größe des Ortes empfindet Ingrid Pietzsch eine gewisse Familiarität in ihrem Arbeitsumfeld. Man kennt sich und plaudert auch abseits der Bewerbungs- und Vermittlungsgespräche gerne miteinander. Die Kunden kommen oft sogar unaufgefordert im alten Backsteingebäude auf dem Markt vorbei. Sie ist überzeugt, dass vor allem die Öffnungszeiten und die Atmosphäre ganz wesentlich dazu beitragen, dass viele ihrer Kunden gerne und regelmäßig im 50plus Punkt auftauchen.

Im Computerraum können sich die Kunden auch auf eigene Faust auf die Suche nach einer Stelle begeben, sollte sie selbst gerade kein passendes Angebot in Petto haben. Die Möglichkeit selbstbestimmt zu arbeiten, schätzen ihre Kunden sehr. Vor allem aber sei die Hemmschwelle für einen Besuch im 50plus Punkt wesentlich niedriger als für einen Termin in einer “großen Behörde”, wie dem Jobcenter.

Kurze Wege kennzeichnen die 50Plus Punkte
Kurze Wege kennzeichnen die 50plus Punkte
"Unsere Kunden haben uns direkt am Telefon und wir entscheiden dann sofort.“ Ingrid Pietzsch
"Unsere Kunden haben uns direkt am Telefon."

Auf die Frage, was die Arbeit des Projekts 50plus in Bad Liebenwerda so besonders macht, kommt sie kurz ins Grübeln und antwortet dann: „Es sind die kurzen Wege. Die sind auch was uns erfolgreich macht“. Damit ist vor allem die enge Zusammenarbeit mit den externen Partnern vor Ort und den Kollegen/-innen untereinander gemeint. Nicht nur in der organisatorischen Kooperation, sondern auch räumlich sitzen die verschiedenen Partner dicht beieinander. Das erleichtert die täglichen Abläufe erheblich.

Wenn eben jemand eine Stelle findet und man merkt: Mensch du hast doch diesen Unternehmenskunden! Dann reicht man den Suchlauf weiter, kann ruck, zuck reagieren und sagen jawohl, das schicke ich dem zu oder rufe da mal an! sagt Ingrid Pietzsch

Genauso bezieht sich der Gedanke der kurzen Wege aber auch auf den engen Draht zu ihren arbeitsuchenden Kunden. Das hat sie nicht zuletzt der Anzahl von Kunden zu verdanken, die im Vergleich zur Auslastung der Kollegen/-innen beim Jobcenter doch sehr überschaubar ist. „Wir dürfen unsere Durchwahlnummer durchgeben. Wenn es also irgendwelche Sachen gibt, die schnell entschieden werden müssen, dann müssen sie nicht erst den großen Weg gehen. Unsere Kunden haben uns direkt am Telefon und wir entscheiden dann sofort.“ Die hohe Kontaktdichte und die schnelle Umsetzung erlauben also eine höhere Flexibilität im Umgang mit den doch sehr verschiedenen Charakteren und Anliegen ihrer Kunden.

Ingrid Pietzsch ist besorgt über die Entwicklung ihrer Region, der sie nach wie vor sehr verbunden ist. Sie erzählt, wie sie zunehmend mit ansehen muss, wie immer mehr, vor allem ältere Menschen, in die Langzeitarbeitslosigkeit rutschen oder in kurzzeitigen Beschäftigungsverhältnissen von Zeitarbeitsfirma zu Zeitarbeitsfirma getrieben werden.  Gerade die Mobilität sei für viele ein großes Problem. Nicht nur weil die meisten ihrer Kunden sich kein Auto mehr leisten können und die Verkehrsanbindungen in der Region so schlecht sind.

50plus Punkt in Bad Liebenwerda
50plus Punkt in Bad Liebenwerda

Es geht vor allem auch um die mentale Mobilität, also der Wille und die Motivation, für eine Stelle oder gar ein Bewerbungsgespräch weite Strecken auf sich zu nehmen. Auch da leistet Ingrid Pietzsch Beistand und ermutigt ihre Kunden. „Ich kitzle dann immer noch ein bisschen und sage: ‚Na sie wollen doch im Rentenalter auch noch ein bisschen Geld haben. Vom nichts tun kommt nichts dazu!‘“, sagt sie und schmunzelt.  

Ingrid Pietzsch hofft, dass die Arbeit des Beschäftigungspaktes und somit auch ihre Arbeit noch über das Ende des bundesweiten Projekts 2015 weiterläuft, oder zumindest in ihren Ansätzen erhalten bleibt. Ihre Kunden sind sehr zufrieden. Auch wenn es oft ein schwieriges Klientel  ist, wie sie sagt, so ist es doch auch ein sehr dankbares.