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Reisende Reporter 2014 - Station 5: Region Süd| VITAL ab 50 - Ziel Z

Nachhaltigkeit sichern

Über viele Umwege ist Simona Freund in ihren Heimatort zurückgekehrt. Einst zog sie der Arbeit hinterher, bis sie vor einiger Zeit das Heimweh plagte. Während ihrer Laufbahn hatte sie die verschiedensten Positionen inne, von der Außendienstmitarbeiterin im Vertrieb, über die Geschäftsstellenleitung bei einem Verlag bis hin zur Teamleiterin in einem Kommunikationscenter. Seit 2011 ist sie nun im Beschäftigungspakt Vital ab 50 – Ziel Z im vogtländischen Lengenfeld als Vermittlerin und Verantwortliche für die Nachbetreuung engagiert.

Im Vergleich zu anderen 50plus Projekten steht die Nachbetreuung im Lengenfelder Programm ganz gezielt im Vordergrund. Bis zu sechs Monate nach der Vermittlung kümmert sich Simona Freund in regelmäßigen Abständen um ihre Kunden, um sicherzustellen, dass die Rückkehr ins Arbeitsleben reibungslos verläuft. Sie ist überzeugt, dass die Vielfalt an Erfahrungen, die sie auf ihrem bisherigen Lebensweg sammeln konnte, sie für ihre jetzige Aufgabe sensibilisiert haben.

'Nachbetreuung' hat für viele zunächst den etwas bitteren Beigeschmack von Kontrolle. Um dieses Vorurteil gleich aus dem Weg zu räumen, braucht es ein feines Gespür, viel Fingerspitzengefühl, Geduld und Verständnis. Man erreicht nichts mit der Brechstange, sagt Simona Freund.

Eine solide Vertrauensbasis ist die Voraussetzung dafür, dass sich der Kunde für die Nachbetreuung öffnet und so auch in der Lage ist, mögliche Konfliktpunkte konstruktiv aus dem Weg zu räumen. „Wir haben eine Absprache untereinander, auch mit den Kollegen vom Jobcenter: Wenn wir das Vertrauen zu unseren Kunden aufgebaut haben, dann lasst uns diese Beziehungsarbeit doch auch nach der Vermittlung fortführen.“

"Eine solide Vertrauensbasis ist die Voraussetzung dafür, dass sich der Kunde für die Nachbetreuung öffnet." – Simona Freund

Gleiches gilt für den Umgang mit dem Arbeitgeber. Gerade wenn es um Menschen geht, die lange Zeit ohne Beschäftigung gewesen sind und noch in den Anfängen ihres Wiedereinstieges in den Arbeitsmarkt stehen, bedarf es eines gewissen Feingefühls. Des Öfteren heißt das auch, dass dem Arbeitgeber klar gemacht werden muss, dass der Kunde möglicherweise noch keine hundert Prozent leisten kann. Nicht selten muss man also versuchen, auf beiden Seiten ein wenig den Druck herauszunehmen, um für gegenseitiges Verständnis zu sorgen. „Dem Arbeitgeber geht es natürlich in erster Linie um Leistung“, sagt Freund „und nicht darum wie sich diese oder jene Arbeitnehmerin fühlt“. Das sei ja auch verständlich und gerade deshalb sei es so wichtig, dass sie sich in ihrer Funktion als Nachbetreuerin einbringen kann. Durch den regelmäßigen Kontakt lernt sie beide Seiten sehr gut kennen und kann sich dementsprechend gut auf die „Wehwehchen“ jedes einzelnen einstellen.

Früher gab es immer nur eine kurze Benachrichtigung des Jobcenters, wenn Teilnehmende wieder aus einem Arbeitsverhältnis ausschieden. „Da hatten wir kaum noch Zeit zu reagieren“, erinnert sie sich. Im Zuge der Betreuung ist es möglich, schon vorher Dinge zu klären, mit denen der Arbeitgeber unter Umständen nicht zufrieden ist.

Die direkte Nachbetreuung ermöglicht es beiden Parteien in einen Dialog zu treten und mögliche Probleme präventiv auf den Grund zu gehen – einen Konflikt also wenn möglich zu umgehen, sagt Simona Freund.

Ein positiver Nebeneffekt, abgesehen von der Zufriedenheit von Arbeitgeber und Arbeitnehmer/-innen ist laut Freund außerdem, dass durch den intensiven Kontakt zu den Unternehmen langfristige Beziehungen entstehen. Dank derer können auch neue Stellenangebote und mögliche Vakanzen schnell und unkompliziert kommuniziert und vermittelt werden.

Die Nachbetreuung funktioniert somit quasi als dreifache Garantie; für den Vermittelten, der sich sicher sein kann mit seinen Bedenken und Sorgen Gehör zu finden und nicht gleich um seine Stelle bangen muss, sollte es nicht gleich rund laufen. Für die Vermittler, die die Möglichkeit haben zu überprüfen, ob der Kunde sich um seine Integration bemüht, aber auch ob der Arbeitgeber seiner Verantwortung nachkommt, dem Kunden den Wiedereinstieg zu den vereinbarten Konditionen zu ermöglichen. Zu guter Letzt ist es aber auch eine Garantie für den Arbeitgeber, dem ein Großteil der Integrationsarbeit abgenommen wird.

Insgesamt ist sich Simone Freund sicher, dass sich die Nachhaltigkeit der Vermittlung durch den Ansatz der intensiven Nachbetreuung deutlich verbessert hat.

Insgesamt ist sich Simone Freund sicher, dass sich die Nachhaltigkeit der Vermittlung durch den Ansatz der intensiven Nachbetreuung deutlich verbessert hat. Natürlich gibt es auch nach wie vor Entwicklungen, die außerhalb des Einflusses des Jobcenters liegen. Viele der großen Unternehmen aus der Umgebung wandern ab in Gebiete mit einer besseren Infrastruktur. Auf die allgemeine wirtschaftliche Lage habe man letztendlich keinen Einfluss. “Da kann ich als Nachbetreuer auch nichts machen. Da kann ich nur den/die Arbeitnehmer/-in kontaktieren, Mut machen und sagen: Es liegt nicht an ihnen. Sie haben gute Arbeit geleistet, wir behalten das im Auge, wir versuchen eine Lösung zu finden.”

Am wichtigsten erscheint ihr jedoch, dass alle Beteiligten an einem Strang ziehen. Jeder Partner, vom Jobcenter bis zum externen Bildungsträger spielt dabei eine entscheidende Rolle. Nur im Team können weiterhin die Erfolge erzielt werden, die bisher mit dem Ansatz erreicht werden konnten, davon ist Simona Freund überzeugt. „An dieser Stelle sage ich eigentlich immer gerne: Die Ergebnisse, die wir erzielen konnten, ermutigen mich jeden Tag aufs Neue, diese Tätigkeit mit neuem Elan anzugreifen und unsere Teilnehmer/-innen für unsere Aufgabe zu gewinnen.”