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Station 4: Region Süd | BINS Beschäftigungsinitiative Schwaben 50plus

Offenheit zahlt sich aus

Bereits der römische Philosoph Seneca wusste schon vor knapp 2000 Jahren: „Nicht für die Schule, sondern für das Leben lernen wir.“ In diesem Sinne bieten Volkshochschulen (VHS) als Institutionen des lebenslangen Lernens für jedermann und in fast jeder Stadt vielseitige Bildungsangebote an: von „A“ wie Aquarellmalerei über „E“ wie EDV-Kurs bis „Z“ wie Zen-Buddhismus. Diese Bandbreite, sowohl was die unterschiedlichen Angebote als auch was die Vielfalt der Nutzergruppen betrifft, war es auch, die Gabriele Wagner, Abteilungsleiterin Markt und Integration von der ARGE Augsburg-Stadt, und ihr Team angeregt hatte, mit dem Projekt „Kurs finden“ einen neuen Ansatz zur Integration älterer Langzeitarbeitsloser zu wagen.

Seit Anfang dieses Jahres können hier Kunden der ARGE, die mindestens zwei Jahre arbeitslos sind, im Rahmen der Beschäftigungsinitiative Schwaben 50plus (BINS), die als einer der 62 regionalen Beschäftigungspakte des Bundesprogramms „Perspektive 50plus“ läuft, teilnehmen. Über zwei Semester kann jeder Teilnehmer je Halbjahr bis zu je drei Kurse belegen: Einer davon kann ein persönliches Interessengebiet abdecken, ein weiterer soll einen gesundheitlichen Schwerpunkt verfolgen und der dritte eine berufliche Qualifikation unterstützen. Um eine mögliche Stigmatisierung von anderen Kursteilnehmern von Vornherein zu vermeiden, nehmen maximal zwei Langzeitarbeitslose je Kurs teil, und sie sind auch nicht für die anderen Kursteilnehmer als ALG-II-Empfänger erkenntlich, berichtet Birgit Sedlmeyer. Sie ist für die ARGE Augsburg-Stadt als Vermittlerin tätig.

Wir wollten nicht von oben herab bestimmen, lediglich aktivieren und die Menschen selbst entscheiden lassen.
Iris Hermann Stadt-Augsburg

Es ginge zunächst darum, die Menschen zu bewegen, so Hermann. Die Kursinhalte müssen nicht unbedingt vorrangig berufsbezogen sein. Letztlich ginge es darum, wieder als „normaler Mensch“ wahrgenommen zu werden und die Isolation aufzubrechen, erklärt Paktkoordinator Jochen Kundinger. „Unser Vorhaben der Selbstbelebung geht auf“, berichtet Eckhard Wieja als Geschäftsführer der ARGE Augsburg-Stadt begeistert von dem unkonventionellen Ansatz.

Auch Dr. Jürgen Küster kann diese Aussagen nur unterstreichen. Er ist als Coach und psychologischer Berater im Auftrag der VHS Augsburg für das Projekt tätig. Aus seiner langjährigen Erfahrung bei der Aktivierung von Langzeitarbeitslosen kann er im Gegensatz zur Durchführung von Regelmaßnahmen mit verpflichtender Teilnahme von ersten Erfolgen sprechen.

Als Freizeitkoch und Hobbysportler werden die Klienten ganz natürlich in gesellschaftliche Bezüge integriert, die ihnen sonst verschlossen bleiben.
Dr. Jürgen Küster

Dabei gehe es nicht allein darum, einen Teilnehmer in ein Arbeitsverhältnis zu vermitteln. Auch die soziale Teilhabe sei für viele Kunden bereits ein Erfolg. „Unsere Aufgabe sehen wir darin, die Kunden zu öffnen“, erklärt Wagner, „und sie Stück für Stück in die Gesellschaft zurückzuführen“. Bei sogenannten Regelmaßnahmen könnten sich dagegen durch den Austausch von schlechten Erfahrungen untereinander negative Einstellungen eher verstärken. „Grundsätzlich erleben wir schon bei den Infoveranstaltungen eine große Offenheit für diesen Ansatz“, berichtet Sedlmeyer. Manchmal allerdings würden Kunden bei einem derartig offenen Angebot zunächst ganz irritiert reagieren, weiß Wieja.

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