Filmwettbewerb
Filmwettbewerb film ab! 50

Im Rahmen des Kampagnenjahres 2009 lobte das Bundesprogramm Perspektive 50plus einen Kurzfilmwettbewerb aus. Gesucht wurden kinotauglich produzierte Beiträge, die sich mit den Themen Alter und Arbeit sowie damit verbundenen individuellen und gesellschaftlichen Problemlagen auseinandersetzen.

Was bedeutet es, in der heutigen Arbeitsgesellschaft zu den Älteren zu gehören? Welchen Stellenwert hat Arbeit im Leben eines Menschen über 50? Was bedeutet Arbeitslosigkeit für jemanden, der schon mehr als die Hälfte seines Berufslebens hinter sich hat?

Das Preisgeld des Wettbewerbs belief sich auf insgesamt 10.000 Euro, verteilt auf einen ersten (5.000 Euro), zweiten (3.000 Euro) und dritten (2.000 Euro) Preis. Der Wettbewerb stellte einen eigenständigen Programmpunkt des exground filmfest Wiesbaden im November 2009 dar. Die von der Wettbewerbsjury nominierten Filme wurden im Rahmen einer Abendveranstaltung mit anschließender Preisvergabe am 18. November 2009 in der Filmbühne Caligari Wiesbaden gezeigt werden.↵

Gewinnerfilme des Filmwettbewerb film ab! 50

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Filmeinreichungen - Die nominierten Filme

(in alphabetischer Reihenfolge)

15 MINUTEN WAHRHEIT (Spielfilm, Deutschland, 15 Min.)
Regie: Nico Zingelmann

Dem 50-jährigen Georg Komann und seinen Kollegen bei der Jaffcorp Investment AG wird völlig überraschend und ohne angemessene Entschädigung von ihrem Arbeitgeber gekündigt. Sie stehen vor dem persönlichen Aus, denn sie wissen, dass niemand Über-50-Jährige neu einstellt. Komann schmiedet einen riskanten Plan.

EDGAR (Spielfilm, Deutschland, 12 Min.)
Regie: Fabian Busch

Seit seine Frau vor zwei Jahren gestorben ist, lebt Edgar alleine und untätig. Er wird nicht mehr gebraucht und niemand scheint ihn zu beachten. Eines Tages verlässt er seine Wohnung, fest entschlossen, Arbeit zu finden. In einem Kaufhaus wird er von der Angestellten abgewimmelt. Gedankenverloren steckt er beim hinausgehen einen Regenschirm ein. Der Kaufhausdetektiv nimmt ihn fest. Und unversehens erkennt Edgar seine Chance.

FRISCHE ERDBEEREN (Spielfilm, Deutschland, 9 Min.)
Regie: Laslo Scholtze

Ein Film über die innere Verwahrlosung eines Mannes sowie dessen Verhältnis zu seiner Frau. Dem Zuschauer begegnet ein Ambiente des Alten, Verbrauchten und Erneuerungsbedürftigen. Eine unendlich leere Tagebaulandschaft, die nur von einem verlassenen, dahinrostenden Bagger geteilt wird.

GEDANKEN ZUM THEMA ARBEIT (Dokumentation, Deutschland, 9 Min.)
Regie: Severin Vogl

"Gedanken zum Thema Arbeit" ist ein künstlerischer Dokumentarfilm über Probleme und Visionen unserer Arbeitsgesellschaft. In diesem Film werden Zitate aus einem Gespräch mit Moritz Rinke verarbeitet, der unter anderem das Stück "Cafe Umberto" geschrieben hat, das sich mit dem Verlust von bezahlter Arbeit und dem damit verbundenen Verlust der eigenen Würde befasst. Der Film thematisiert Einstellungen unserer Gesellschaft über den Wert und Sinn der Arbeit.

HANDARBEIT (Spielfilm, Deutschland, 12 Min.)
Regie: Andreas Dahn

Eine Zukunft. Immer mehr Menschen tauschen ihre Hände gegen effektivere Prothesen. Dennis hat echte Hände, doch sie sind alt. Als seine Arbeitsleistung in der Kuckucksuhrenfabrik sinkt, droht ihm die Kündigung.

RENTNER GMBH (Dokumentation, Deutschland, 27 Min.)
Regie: Bertram Verhaag

Das Durchschnittsalter bei „Vita Needle“, einer Nadel- und Röhrenfabrik nahe Boston, USA, liegt bei stolzen 74 Jahren. Die Angestellten auf Lebenszeit Mary, Marion, Paul, Tom, Ann und Rosa, alle zwischen 75 und 95 Jahren, haben in der Firma ein neues Zuhause gefunden. In den Interviews offenbaren die betagten Arbeiter der Nadelfabrik auf berührende und liebenswerte Art und Weise ihr neues Selbstwertgefühl.

TIME OFF (Spielfilm, Frankreich/Russland, 27 Min.)
Regie: Roman Kantor

Albert Jakobs wird aus der Firma entlassen, in der er 35 Jahre gearbeitet hat. Alles was er hatte, war sein Job. Nun bleibt ihm nur noch er selbst. Aber weiß Albert Jakobs wirklich, wer Albert Jakobs ist?

UNGEBROCHEN (Dokumentation, Deutschland, 6 Min.)
Regie: Jolanka Höhn

Kurzfilmporträt über einen ehemaligen DDR-Bürger und seinen sozialen wie beruflichen Weg nach dem Mauerfall. Wolfgang, Mitte 50, erzählt mit ergreifender Offenheit seine persönliche Geschichte. Ein wenig wehmütig blickt er zurück, die Ereignisse und Folgen der Jahre 1989/1990 gingen nicht spurlos an ihm vorüber. Trotz allem macht er unermüdlich weiter wie ein kleines Stehaufmännchen – ungebrochen.

Jury

Die insgesamt fünfköpfige Jury setzt sich aus VertreterInnen des Bundesprogramms Perspektive 50plus, der Filmbranche, des Bereichs Arbeitssoziologie bzw. -psychologie sowie des exground filmfests Wiesbaden zusammen.

Holger Weinert (Jurysprecher)
Holger Weinert, Jahrgang 1951, Journalist, Dokumentarfilmer und Fernsehmoderator, hauptsächlich für den Hessischen Rundfunk tätig, u.a. als Moderator des Hessenjournals, der Hessenschau, des Polit-Magazins „3,2,1“, der „vipshow“ und von „Holgers Waschsalon“.

1990 erhielt er den Journalistenpreis der Deutschen AIDS-Stiftung für seien ARD-Reportage „Ulis letzter Sommer“.

Susann Mühlpfordt
Susann Mühlpfordt, Jahrgang 1972, Diplompsychologin, seit 1999 wissenschaftliche Mitarbeiterin in Forschung und Lehre an der Professur für Arbeits- und Organisationspsychologie der Technischen Universität Dresden sowie freiberufliche Beraterin.

Schwerpunkte: Arbeitsgestaltung und Gesundheit, Tätigkeiten außerhalb der Erwerbsarbeit, Arbeitslosigkeit, seit 2007 externe Koordination des Sächsischen Gesundheitsziels „Gesundheitsförderung bei Arbeitslosen“

Hans Joachim von Gottberg
Hans Joachim von Gottberg, Jahrgang 1952, Geschäftsführer der Freiwilligen Selbstkontrolle Fernsehen e.V. (FSF), Chefredakteur der Fachzeitschrift "tv diskurs" und Vizepräsident des Deutschen Kinderhilfswerks. In diversen Lehraufträgen der Universität Göttingen, der FU Berlin beschäftigte von Gottberg sich mit Themen wie "Wirkung von Gewaltvideos" oder "Medien als Faktor der Sozialisation".

Derzeit ist Hajo von Gottberg Honorarprofessor an der Hochschule für Film und Fernsehen Potsdam-Babelsberg im Studiengang Medienwissenschaften.

Nadja Huhle
Nadja Huhle, Jahrgang 1965, Architektin und freie Grafikerin, seit 1987 im Verein Wiesbadener Kinofestival e.V. mit der Organisation internationaler Filmfestivals beschäftigt. Arbeitete neben dem exground filmfest Wiesbaden auch für das Interfilm Berlin, das Filmfestival goEast Frankfurt/Main und das Nippon Connection Filmfest Frankfurt/Main.

Nadja Huhle ist Mitglied der Auswahljury und seit 2007 Projektkoodinatorin des exground filmfest Wiesbaden.

Michael Kölmel
Michael Kölmel, Jahrgang 1954, Mathematiker und promovierter Volkswirtschaftler, Gründer der Kinowelt und Inhaber des Literatur- und Musikverlags Zweitausendeins. Der anfangs auf Filme für Programmkinos spezialisierte Kinowelt-Verleih wurde durch den mehrfach Oscar-prämierten Spielfilm "Der englische Patient" bekannt.

Michael Kölmel ist heute Berater der Kinowelt. Seine Haupttätigkeit liegt derzeit in der Weiterentwicklung des Zweitausendeins-Verlags. Außerdem ist Michael Kölmel seit Jahren im Sportrechtehandel tätig.

Preisverleihung

Der Film „15 Minuten Wahrheit“ von Nico Zingelmann ist der Gewinner des ersten film ab! 50 Kurzfilmwettbewerbs zum Thema „Alter und Arbeit“. Der zweite Preis ging an den Kurzspielfilm „Edgar“ von Fabian Busch, der dritte Preis an die Dokumentation „Rentner GmbH“ von Bertram Verhaag. Aufgrund der hohen Qualität der acht nominierten Beiträge wurde am Veranstaltungsabend spontan noch ein Sonderpreis der Stadt Wiesbaden und der ESWE Verkehrsgesellschaft mbH vergeben. Diesen erhielt die Regisseurin Jolanka Höhn für „Ungebrochen“, ein filmisches Kurzporträt über den Berufsweg ihres Vaters.

Rund 150 Beiträge aus über 20 Ländern wurden zu dem vom Bundesprogramm „Perspektive 50plus“ ausgeschriebenen Wettbewerb eingereicht. Die Preisverleihung fand am 18. November 2009 im Rahmen des „exground filmfest“ in der Caligari FilmBühne Wiesbaden statt.

Kontakt

filmwettbewerb@perspektive50plus.de

Ansprechpartner Presse film ab! 50:

Franziska Wilhelm
filmwettbewerb@perspektive50plus.de
Tel.: 0341 – 308 66 92