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Station 3: Region West | Perspektive 50plus Rheinland-Pfalz/Saarland

Vom Laden ins Leben

Dörfer befinden sich in einem starken Wandlungsprozess: Die Bevölkerung altert, junge Menschen ziehen in die Stadt, Häuser im Ortskern stehen leer. Diese Entwicklungen ziehen den Rückgang der Infrastruktur nach sich: Alteingesessene Geschäfte geben auf, Schulen schließen und Buslinien werden gestrichen. Da baut sich ein düsteres Zukunftsszenario auf – auch Rheinland-Pfalz kämpft um seine Dörfer. Im AWO-Dorfladen, der inmitten des kleinen Ortes Roßbach im Westerwald gelegen ist, geht es lebendig zu: Rund 150 bis 200 Kunden kommen Tag für Tag in das rund 80 Quadratmeter große Geschäft unweit der Kirche und erledigen ihre Besorgungen. Hier gibt es alles, was man zum täglichen Leben braucht: von Eiern über Butter und Brot bis hin zum Spülmittel und dem Kasten Wasser.

Früher gab es in jedem Dorf einen Tante-Emma-Laden, er war Nachrichtenzentrale und Treffpunkt für Jung und Alt. Im Zuge der Expansion von Supermärkten und Discountern an den Stadträndern sinkt die Zahl der kleinen Läden auf dem Land. Die AWO Gemeindepsychiatrie gGmbH Bad Marienberg hat sich den Erhalt von Dorfläden im Westerwald auf die Fahnen geschrieben. „Wir betreiben diese Dorfläden nicht aus Nostalgie“, betont Otmar Schneider, Einrichtungsleiter Dorfläden der AWO gGmbH. Hintergrund seien vielmehr soziale, gesellschaftspolitische und − last but not least – wirtschaftliche Gesichtspunkte. Die Läden tragen sich selbst.

Angelika Schumann im Gespräch

Im Jahre 1996 eröffnete der erste Dorfladen in der Region. Damals war es die Intention, für psychisch beeinträchtigte Menschen eine sinnvolle Beschäftigungsmöglichkeit unter realitätsnahen Bedingungen zu schaffen. Der Lebensmittelladen biete hierzu die Möglichkeit einer Arbeitserprobung und Berufsvorbereitung, so Frank Kröller, Geschäftsführer AWO gGmbH Bad Marienberg. Das Konzept des Dorfladens ist seitdem nicht nur im Umfang, sondern auch konzeptionell gewachsen. Heute betreibt die AWO neben acht Dorfläden auch zwei Stadtläden. Zurzeit arbeiten hier insgesamt 38 Menschen in sozialversicherungspflichtigen Arbeitsverhältnissen, davon gelten 22 Mitarbeiter als beeinträchtigt. Der alltägliche Kontakt zu Kunden wirke sozialer Ausgrenzung entgegen, berichtet Schneider: „Wir haben die Erfahrung gemacht, dass die Arbeit im Dorfladen zu psychischer Stabilität führt.“ Aufgrund dieser positiven Erfahrungen wurde dieses Konzept von der Arbeitsagentur als Qualifizierungsmaßnahme anerkannt.

Fast jeder vierte Erwerbslose im Westerwaldkreis ist 50 Jahre oder älter. Wer länger ohne Job ist, gerät automatisch in die Grundsicherung. „Wir kooperieren mit vielen Arbeitgebern“, berichtet Hans-Peter Krämer, er ist Geschäftsführer der ARGE Westerwald. Es gehe jedoch um die passgenaue Vermittlung, nicht um die Erfüllung einer Quote, berichtet Axel Hain. Er ist zuständig für Qualifikation und Beschäftigung bei der AWO Gemeindepsychiatrie gGmbH, es zählten langfristige Erfolge, so Hain. Kleante Kaptanis von der ARGE Hachenburg ergänzt: „Dabei ist uns die Nachbetreuung sowohl für die Arbeitnehmer als auch für die Arbeitgeber wichtig.“

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