Drittes Jahrestreffen im Rahmen des Bundesprogramms "Perspektive 50plus"

Mit Grußworten eröffnete Staatssekretär Rudolf Anzinger den ersten Konferenztag. In seiner Ansprache würdigte er die Arbeit und Erfolge der 62 Beschäftigungspakte und bilanzierte die bisherige Umsetzung des Bundesprogramms „Perspektive 50plus“. 180 Vertreter/-innen der 62 Beschäftigungspakte des Bundesprogramms „Perspektive 50plus“ kamen am 4. und 5. Juli 2007 zu einem dritten Jahrestreffen im Ministerium für Arbeit und Soziales in Berlin zusammen. Nach knapp zweijähriger Umsetzung des Bundesprogramms blicken die Akteure der regionalen Projekte auf vielfältige Erfahrungen zum Thema „Integration älterer Arbeitsuchender in den allgemeinen Arbeitsmarkt“. Die zweitägige Veranstaltung zog eine Zwischenbilanz zu den Aktivitäten der 62 Beschäftigungspakte.

 

Im Anschluss der Eröffnungsrede übergaben Vertreter/-innen des Strategieboards ein Memorandum der Arbeitsgruppe an den Staatssekretär. Das Dokument beinhaltet wichtige Erkenntnisse u.a. zu den Themen Aktivierung und Integration älterer Langzeitarbeitloser, Unternehmensansprache und der regionalen Kooperationen im Rahmen des Bundesprogramms. Das Strategieboard hatte sich als eine zeitweilige Arbeitsgruppe des Bundesprogramms gebildet, die sich zum Ziel setzte, den Austausch zu bisherigen Ergebnissen und Erfahrungen aus den 62 Beschäftigungspakten zusammen zu tragen.

 

Prof. Dr. Matthias Knuth vom Institut für Arbeit und Qualifikation (IAQ) präsentierte erste Zwischenergebnisse der Bundesevaluation. Das Bundesprogramm wird über den zweijährigen Umsetzungszeitraum durch das IAQ evaluiert. Die Evaluation soll u.a. aufzeigen, welche Ansätze, Vorgehensweisen, Aktivierungs- und Vermittlungsstrategien einen nachhaltigen Beitrag zur Verbesserung der Beschäftigungsfähigkeit älterer Langzeitarbeitsloser leisten können und bewertet die Qualität der regionalen Partnerschaft. Eine erste Zwischenbilanz zeigt, dass ältere Langzeitarbeitslose vorrangig in kleineren und mittelständischen Unternehmen integriert werden. Dafür ist der persönliche Kontakt zu den Unternehmen im Vermittlungsprozess entscheidend. Die Stellenakquise und -vermittlung ist ein arbeitsaufwändiger Prozess und nimmt einen wichtigen Stellenwert in der Arbeit der Beschäftigungspakte ein. Im Bereich der Aktivierung und Integration älterer Langzeitarbeitsloser haben sich bestimmte Instrumente der „flankierenden“ Förderung als besonders erfolgreich herausgestellt. Dazu zählen u.a. die Gesundheitsberatung und –förderung für ältere Langzeitarbeitslose, praxis- und arbeitsplatzorientiertes Sprachtraining für Personen mit Migrationshintergrund und Mobilitätstraining in Gruppen. Die Selbstaktivierung älterer Langzeitarbeitloser wird insbesondere in der Kombination aus Gruppen- und Einzelcoaching gestärkt. Dafür stellen die „Arbeitsfabrik“ und „Projektwerkstätten“ erfolgsversprechende Modelle dar.

 

Am zweiten Konferenztag ermöglichten vier Workshops die Gelegenheit zum vertieften Fachaustausch über die einzelnen Programmgebiete hinaus. Dazu stellten sieben ausgewählte Beschäftigungspakte ihre Integrationsstrategien vor. Der Beschäftigungspakt Westmittelfranken präsentierte sein Modell der Jobfabrik, das auf die konsequente Stärkung der Eigeninitiative und Selbsthilfe älterer Langzeitarbeitsloser setzt. Diese Arbeit wird durch eine systematische Stellenakquise und kontinuierliche Unternehmenskontakte ergänzt. Der Beschäftigungspakt der Region Trier stellte sein Konzept der neun Vermittlungszentren vor. Der individuelle Beratungs- und Betreuungsansatz in den Vermittlungszentren wird unterstützt durch den flexiblen Einsatz von variablen Eingliederungszuschüssen auf der Grundlage der „Nachteils- und Minderleistungsausgleichsmöglichkeiten“. Der Bremer Beschäftigungspakt setzt auf flexible Lohnkostenzuschüsse bei der Integration von älteren Langzeitarbeitslosen, flankiert von Qualifizierungs- und Gesundheitsmaßnahmen. Der Beschäftigungspakt im Vogtlandkreis zielt darauf ab, in verschiedenen Bausteinen die Potenziale von älteren Langzeitarbeitslosen und den Bedarf der regionalen Wirtschaft zu erfassen und abzugleichen. Auf der Grundlage einer Kompetenzbilanzierung wird ein effektiver und zielorientierter Vermittlungsprozess möglich, um auf die unterschiedlichen Anforderungen auf dem Arbeitsmarkt zu reagieren. Der Beschäftigungspakt des Landkreises Oberspreewald-Lausitz stellte ein Teilprojekt vor, in dem bewährte Arbeitsmarktinstrumente mit einer so genannten Arbeits- und Lernwelt kombiniert werden, um ältere Langzeitarbeitslose mit multiplen Vermittlungshemmnissen in den allgemeinen Arbeitsmarkt zu integrieren. Der Beschäftigungspakt im Landkreis Offenbach präsentierte einen Ansatz, der ältere Langzeitarbeitlose darin unterstützt, konkrete Eingliederungsvereinbarungen gemeinsam mit anderen älteren Arbeitsuchenden innerhalb von zwei Tagen zu formulieren. Mit dieser Veranstaltungsform soll die Gruppendynamik der gemeinsamen Entscheidungsfindung genutzt und zugleich die Eigenverantwortung des Einzelnen gestärkt werden. Die Integrationsstrategie des Beschäftigungspaktes der Region Ostwestfalen-Lippe basiert auf dem betriebswirtschaftlichen Konzept von Angebot und Nachfrage. Ältere Langzeitarbeitslose erhalten ein gezieltes Training ihre fachlichen Kompetenzen und beruflichen Erfahrung in Bewerbungssituationen selbstbewusst zu präsentieren. Die Fallmanager erweitern ihre Arbeit um eine vertriebsorientierten Komponente. Sie besitzen durch die direkten Unternehmenskontakte genaue Kenntnisse über den jeweiligen Personalbedarf. Auf dieser Grundlage wird den Unternehmen der geeignete Bewerber vermittelt.

 

Eine abschließende Diskussionsrunde aus Vertreterinnen und Vertretern aus Wirtschaft, Verbänden und Medien, die in den Pakten aktiv sind, beleuchtete das Bundesprogramm aus den jeweiligen Blickwinkeln. An der Diskussionsrunde nahmen teil: Dr. Norbert Pietsch, Vorsitzender des Vorstands der Kjellberg Stiftung, Bianca Sander, Geschäftsführerin von Sander Transporte GmbH und Masa Natursteine GmbH, Constanze von Gerkan vom Regionalradio K.W., Manfred Schüler, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Fulda, Christian Nowak, Geschäftsführer der IHK Fürth und Dr. Joachim Bons als Berater von Betriebs- und Personalräten.
Im Mittelpunkt standen Fragen zur Motivation, die Anliegen der Beschäftigungspakte zu unterstützen sowie hinsichtlich der Wahrnehmung des Bundesprogramms in den jeweiligen Institutionen bzw. in der Öffentlichkeit. Insgesamt wurde die Arbeit der 62 Beschäftigungspakte als Gewinn sowohl für die älteren Langzeitarbeitlosen als auch für die Unternehmen gewertet. Die intensiven Vorbereitungs- und Betreuungsphasen für ältere Langzeitarbeitlose in den regionalen Projekten werden als ein Erfolgsfaktor für nachhaltige Integrationen in den Unternehmen gesehen. Darüber hinaus entstehen durch die gezielte Ansprache der Unternehmen zuverlässige Partnerschaften. Die Netzwerke zwischen den Akteuren der 62 Beschäftigungspakte wurden ebenfalls positiv bewertet, die den kontinuierlichen Austausch und Kooperation zwischen den Akteuren unterstützen. In der Gesprächsrunde wurden wichtige Anregungen und Impulse für die weitere Arbeit der 62 Beschäftigungspakte gegeben.

 
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